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Das Wiler Kino Cinewil wurde im Jahr 1999 gegründet. Es ist ein Viersaal-Kino mit 687 Sitzplätzen und modernster Technik wie beispielsweise dem Dolby Atmos-Tonsystem. Seit 2018 ist Felicitas Zehnder die Inhaberin der Star Ciné AG. Im Oktober 2019 wurde das Kino um eine Café Bar erweitert. Der Gestamtbetrieb beschäftigt 46 Mitarbeiter, wovon über 80% Frauen und viele davon in Teilzeit. Täglich ab 8.30 Uhr sind die Cinewil-Mitarbeiterinnen für die Gäste da. Das Lokal direkt am Wiler Bahnhof ist ein beliebter Treffpunkt für Jung und Alt.

Anmerkung: Das Cinewil mit Kino, Café und Bar ist im Moment aufgrund der ausserordentlichen Situation geschlossen.

Wil Wie sieht Ihr Morgenritual aus und wie viel Kaffee trinken Sie dazu?

Ich stehe gegen sechs Uhr auf, trinke einen Espresso und lese die Zeitung dazu. In aller Ruhe überlege ich mir dann, was der Tag so bringt und was ich alles erledigen muss. Ich bin morgens nie in Eile, besitze seit Jahren keinen Wecker. Meine «innere Uhr» funktioniert ganz gut.

Um welche Zeit starten Sie in den Feierabend und was tun Sie davor als Letztes?

Jeder Tag ist anders. Wenn wir im Kino einen Anlass haben, bleibe ich bis 21 Uhr oder auch mal bis Mitternacht. Im Normalfall gehe ich jedoch gegen 19 Uhr nach Hause. Da ich meine Zeit selber einteile, geniesse ich oft am Nachmittag eine «Zimmerstunde». Als Letztes lese ich im Bett, bis die Augen zufallen.

Welche Eigenschaften braucht ein guter Chef?

Empathie. Unsere Branche hat viel mit Emotionen zu tun und ich bin überzeugt, dass Empathie und «auf den Bauch hören» gute Werkzeuge für eine gute Chefin sind. Ich mache damit seit Jahren gute Erfahrung. Im Weiteren muss ein Chef immer auch Vorbild sein und den Mitarbeitern die nötige Wertschätzung entgegenbringen.

Wie punkte ich im Bewerbungsgespräch bei Ihnen und was geht gar nicht?

Sie punkten bei uns, wenn Sie sympathisch sind und ins Team passen. Deshalb schnuppern alle Bewerber bei uns, damit wir sehen, ob sie ins Team passen, und ob das Team ihnen gefällt. Die Qualifikation ist zweitrangig, die «Chemie» ist wichtiger. Ich habe mit dieser Einstellung seit 20 Jahren gute Erfahrungen gemacht.

Womit langweilt man Sie am meisten?

Mit langwierigen Erzählungen über Krankheitsverläufe.

Wenn Sie eine berühmte Persönlichkeit egal ob lebendig oder tot treffen dürften. Wer wäre es und warum?

Bryan Stevensen, ein amerikanischer Jurist und Bürgerrechtler, der sich für die Rechte der Gefangenen im Todestrakt einsetzt. Sein Leben wurde soeben im Film «Just Mercy» dargestellt. Ich finde es bewundernswert, wie er gegen alle Widerstände kämpft und sich für eine Sache einsetzt. Eigentlich bewundere ich alle Menschen, welche eine Passion haben und dafür durchs Feuer gehen.

Was würden Sie heute anders machen, wenn Sie nochmals am Start einer Führungsposition wären?

Vielleicht hätte mir ein Kurs in Diplomatie vor 20 Jahre gut getan. Inzwischen habe ich es (hoffentlich) gelernt.

Wie oft schläft man als Chef unruhig und wieso?

Während des Sunset Filmfestivals bin ich ständig unter Strom, auch nachts. Die Verantwortung einer Open Air-Veranstaltung ist nicht vergleichbar mit derjenigen eines normalen Kinobetriebs. Die äusseren Einflüsse sind unberechenbar und die Last der Verantwortung für die Sicherheit der Gäste wiegt schwer.

Was war früher Ihr liebstes Schulfach und warum?

Mathematik, weil ich Zahlen gerne habe und das Resultat eindeutig ist.

Welchen Beruf haben sich Ihre Eltern für Sie vorgestellt?

Das weiss ich gar nicht, aber möchten nicht alle Eltern, dass ihre Kind Arzt oder Anwalt wird? Im Ernst: Ich denke, meine Eltern haben Freude, dass ich die Nachfolge im Kino übernommen habe.

Welches ist der wichtigste Rat, den Sie je erhalten haben?

Das Zitat ist leider nicht druckreif …, aber es besagt, dass man im Alter gelassener sein und sich nicht mehr so leicht aus der Ruhe bringen lassen soll respektive, die negativen Einflüsse einfach abprallen lässt.

Welche Erfahrungen aus Ihrer Ausbildungszeit sind für Sie heute noch aktuell?

Mit 40 Jahren habe nochmals die Schulbank gedrückt und einen Master in Marketing erworben. Der Austausch mit anderen, auch älteren Führungskräften hat mir sehr viel bedeutet und mir gezeigt, dass ich mit gewissen Problemen nicht alleine bin. Dies hat mir eine gewisse Gelassenheit gegeben, welche mir gut tut.

Als was würden Sie am liebsten wiedergeboren werden?

Als Weisskopfseeadler.

Wer soll als nächster Kandidat diese Fragen beantworten und warum wählen Sie diese Person aus?

Guido Räss, Leiter der Holzwerkstatt der Stiftung Heimstätten Wil, weil ich seine Arbeit bewundere und viele nicht wissen, was für tolle Produkte hier in Wil in seiner Werkstatt hergestellt werden. pd/fst


Wiler Nachrichten vom Donnerstag, 26. März 2020, Seite 17