E-Paper - 03. Januar 2014
Wil
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«Nein, sicher keine Faust im Sack...!»

WIL Als einer der arriviertesten Lokalpolitiker der Region und weit darüber hinaus, gibt er klare Antworten und dies auch auf harte Fragen

Lukas Reimann, Wil, Gründer der «Jungen SVP», gilt als profilierter Jungpolitiker unserer Region. Der 31-Jährige schuf sich einen guten Namen in seinem interpersonellen, politischen Dialog.

Herr Reimann, wer sind Sie?

«Ein Volksvertreter, der sich motiviert und engagiert für Land und Leute einsetzt. Einer, der auch wirklich an das Volk glaubt und Volksentscheide dementsprechend umsetzen will, statt sie zu verbieten.»

Wir erklären Sie sich Ihren Aufstieg in politische Sphären, die man in Ihrem Alter eigentlich nicht so selbstverständlich hat?

«Schon in jungen Jahren ärgerte ich mich über die Politik. Statt die Faust im Sack zu machen und zuzuschauen, wie mir etablierte Politiker die Zukunft verbauen, wollte ich das Heft selbst in die Hand nehmen und etwas bewegen für die Zukunft der Schweiz. Darum habe ich die Junge SVP Kanton St.Gallen gegründet und war auch acht Jahre lang ihr Präsident. In dieser Zeit konnten wir den Mitgliederbestand von 0 auf über 600 steigern. Hinter Wahlsiegen steckt immer viel Knochenarbeit, aber vor allem auch das Verständnis für die Anliegen der Bürger.»

SVP-Politikern wird oft vorgeworfen, erst die finanzielle Puissance der Partei, ebne ihnen alle Wege. Sind Sie ein Beschreiter eingeebneter Wege?

«Ich habe noch nie einen Rappen von der Partei oder von Christoph Blocher gesehen. Im Gegenteil! Als Nationalratskandidat muss man sogar den Parteiwahlkampf mitfinanzieren. Dass ich Wahlkämpfe bestreiten kann, verdanke ich Dutzenden von Einzelpersonen aus der Region, welche mich mit einer persönlichen Wahlkampfspende unterstützt haben. Ohne diese Unterstützung aus dem Volk wäre es gar nicht möglich, einen Wahlkampf zu bestreiten. Dafür bin ich sehr dankbar.»

Zu Ihrem Referat der «Revision der Bürgerrechtsgesetze» erhielten Sie gar seitens Opposition fast schon «Standing Ovations». War damit zu rechnen?

«Die vielen Einbürgerungen sind ein grosses Problem. Im Kanton Bern wurde vor wenigen Wochen die Volksinitiative «Keine Einbürgerung von Kriminellen und Sozialhilfeempfängern!» deutlich angenommen. Das ist auch in der Ostschweiz notwendig: So sollen künftig Verbrecher und Bezüger von Sozialhilfe nicht mehr das Schweizer Bürgerrecht erlangen können. Ebenso werden konkrete Nachweise von Sprachkenntnissen, der Geschichte und des Staatsaufbaus unseres Landes verlangt. Dank der Initiative der Jungen SVP werden nur noch Ausländer eingebürgert, welche nachweislich in unsere Gesellschaft integriert sind.»

Leicht provokant formulierte Grundsatzfrage: wieso sollten wir eigentlich partout nicht zur EU - können Sie uns nachvollziehbare Gründe benennen?

«Schauen wir uns doch den Zustand der EU an und jeder versteht, dass wir da auf keinen Fall beitreten dürfen: Rekordverschuldung, Rekordarbeitslosigkeit, Bürokratie und Überregulierung, Mangel an Demokratie und kaum Mitspracherechte für das Volk. Ein EU-Beitritt wäre für die Schweiz ein Fass ohne Boden. Wir würden zu einem milliardenschweren Nettozahler und würden dazu unsere Freiheit, unsere Demokratie und unsere Neutralität preisgeben. Als unabhängiger Kleinstaat sind wir sehr erfolgreich genau darum, weil wir nie der EU beigetreten sind. Das wäre der allergrösste Fehler überhaupt.»

Sie wissen, dass manche SVP-Politiker aus dem nationalen Unternehmersegment «Wasser predigen und Wein trinken», indem sie in ihren eigenen Firmen bevorzugt auf ausländische, da billigere Arbeitskräfte setzen?

«Es ist ganz klar, dass es in gewissen Branchen ausländische Arbeitskräfte braucht. Wir wollen aber, dass die Einwanderung wieder kontrolliert werden kann. Die Initiative will dabei weder einen generellen Stopp der Zuwanderung, noch verlangt sie die Kündigung der bilateralen Abkommen mit der EU. Sie gibt dem Bundesrat aber den Auftrag, mit der EU Nachverhandlungen über die Personenfreizügigkeit und damit über die eigenständige Steuerung und Kontrolle der Zuwanderung zu führen. So wird unterschieden zwischen jenen Ausländern, die sich integrieren, die Sprache beherrschen, Arbeit haben, Steuern zahlen und somit dem Land einen echten Mehrwert bieten, und jenen, die das Sozialsystem missbrauchen, Arbeit verweigern, kriminell werden und sich nicht integrieren wollen.»

Dieser Tage gründete sich das Ostschweizer Komitee «Mass halten bei der Einwanderung» wie sind Zweck und Ziel definiert?

«Die Schweiz hat schon immer grosszügig, aber kontrolliert ausländische Arbeitskräfte aufgenommen und ihnen eine berufliche Perspektive geboten. Seit dem Jahr 2007 sind jedoch jährlich über 80'000 Personen mehr in die Schweiz ein- als ausgewandert. Die Folgen dieser verhängnisvollen Entwicklung sind täglich spür- und erlebbar: zunehmende Arbeitslosigkeit (Erwerbslosenquote von 8,5 Prozent unter den Ausländern), überfüllte Züge, verstopfte Strassen, steigende Mieten und Bodenpreise, Verlust von wertvollem Kulturland durch Verbauung der Landschaft, Lohndruck, Ausländerkriminalität, Asylmissbrauch, Kulturwandel in den Führungsetagen und belastend hohe Ausländeranteile in der Fürsorge und in anderen Sozialwerken. Die heutige Masslosigkeit bei der Zuwanderung gefährdet unsere Freiheit, Sicherheit, Vollbeschäftigung, unser Landschaftsbild und letztlich unseren Wohlstand in der Schweiz.»

In Vorzeigeländern zur humanitären Aufnahme wie England, Skandinavien und Frankreich wächst mit der Ernüchterung die Erkenntnis, die von «Gutmenschen» propagierte Einwanderungspolitik sei gescheitert?

«In ganz Europa wird die Kritik an der zu laschen Einwanderungspolitik immer grösser. Es bilden sich Ghettos. Desintegration, Kriminalität, schlechte Schulen, tiefe Lebensqualität sind die Folgen. In England wird ganz offen über ein Ende der Personenfreizügigkeit und einen EU-Austritt debattiert. Dies bei Ausländeranteilen unter 10 Prozent. Die Schweiz liegt mit einem Anteil von fast 25 Prozent an der Weltspitze mit ihrem Ausländeranteil.»

Gibt es Punkte im SVP-Programm, wo Sie Sachkritik als angebracht erachten und demnach zulassen?

«Wohl niemand kann hinter allen Punkten zu 100 Prozent stehen, ich habe zum Beispiel bei der Politik in Sachen Sportfans Vorbehalte. Aber die wichtigen Punkte kein EU-Beitritt, mehr Sicherheit, mehr Freiheit, weniger Regulierung verdienen die 100 prozentige Unterstützung von allen Menschen, welche an die Zukunft unseres Landes glauben.»

Interview: Charly Pichler

pic@zehnder.ch

Wiler Nachrichten vom Freitag, 3. Januar 2014, Seite 3 (769 Views)

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