E-Paper - 09. Juni 2016
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Bitte nicht füttern: «Entenvater» spricht für seine Schützlinge

Von Noemi Nesci

Die Wiler Enten am Stadtweier sind vor allem an warmen Tagen ein Spektakel für Klein und Gross. Ernst Weibel kümmert sich als Geflügelwart um diese Tiere. Passanten meinen es mit der Entenfütterung vielleicht gut, sollten diese aber lieber sein lassen. Der Entenvater Weibel klärt auf.

Wil Auf dem Steg des Wiler Stadtweiers stehen Mutter und Vater mit ihren zwei Buben. Sie geniessen einen Morgenspaziergang. Jedoch ist die MigrosTragtasche und das Brot, welches daraus hervorgezückt wird, verdächtig. Es landet mit einem sanften Wurf vor den Schnäbeln der Enten im Wasser. Ein Schwarm ist nicht zu übersehen. Die Tasche ist aber noch lange nicht leer. Wiler Geflügelwart Ernst Weibel schreitet ein. Er macht die Eltern freundlich darauf aufmerksam, dass sie das Füttern in grossen Mengen lieber sein lassen sollten. «Reste, welche die Kleinen in den Händen halten, dürfen gerne noch den Tieren zugeworfen werden», ergänzt Weibel.

Aufgaben des Entenvaters

Der 64-jährige Ernst Weibel kümmert sich als Geflügelwart um die Enten des Stadtweiers. Die tägliche Fütterung ist seine Hauptaufgabe. Jedoch lässt er sie an Wochenenden zum Teil auch aus, weil die Tiere von Passanten zu Genüge mit Brot gefüttert werden. «Was wirklich überhaupt nicht gut ist», ergänzt Weibel. Zudem pflegt er die Enten im Falle einer Verletzung oder sonstigen Notfällen. Ein Jungtier hätte einmal in einem Rohr unter Wasser fest gesteckt und kam selbst nicht mehr hinaus. Worauf seine Artgenossen ihm regelmässig Futter brachten. Der Entenvater bemerkte das und fuhr mit einem Werkhofmitarbeiter auf den Weier hinaus, um den Kleinen aus seiner Notlage zu retten. Da Weibel nebenberuflicher Geflügelwart ist, weiss er nicht immer, was sich auf dem Wasser so abspielt. Deswegen wird stark mit der Polizei, dem Werkhof, dem Tierschutz und den Passanten zusammengearbeitet. «Sobald etwas geschieht, werden alle Anrufe an mich weitergeleitet. Die Zusammenarbeit ist super. Vor allem bin ich den Spaziergängern sehr dankbar, dass sie sofort handeln», erzählt der Wiler. «Sie kennen die Enten wahrscheinlich besser als ich es tue», meint er schmunzelnd.

Entenfütterung im richtigen Mass

Wer um den Stadtweier schon manche Runden gelaufen ist, weiss dass es früher eine Tafel bezüglich der Entenfütterung gab. Darauf stand, dass dies verboten sei. Warum dieses Schild nicht mehr aufgestellt ist, weiss der 64-Jährige auch nicht. Das sei Sache der Stadt Wil. «Diese Tiere dürfen eigentlich seit jeher nicht mit Brot gefüttert werden, weil sie von mir schon genug Futter erhalten», erklärt Weibel. Im kleinen Rahmen sei das natürlich nicht verboten wie die Brotreste, welche die Buben in der Einführungsszene in den Händen hielten. Zu solchen kleinen Kindern könne er nicht «Nein» sagen. Zucker, Salz und weitere Zutaten des Backwerkes seien jedoch nicht gesund für die Enten. «Manche kommen sogar mit vollen Säcken hierher und werfen ernsthaft teilweise altes schimmliges Brot den Tieren zu», ärgert sich der Geflügelwart. Das bedeute den Tod der Enten. Erwachsene sollten seiner Meinung nach gescheit genug sein, altes Essen zu Hause zu entsorgen. Die Lage hätte sich aber mittlerweile verbessert. «Viele bringen nun Salatblätter statt Brot. 'Schrudibutz' ist der Kopfsalat dann weg», freut sich der Wiler . Des Weiteren spricht er von einem Entenpaar, das jeden Frühling die St.Katharina Schwestern in Wil besucht. Es handle sich um Wildenten, die auf dem kleinen Weier im Klostergarten Frühlingsurlaub machen. Als die Dominikanerinnen erfuhren, dass die Fütterung mit Brot ungesund für die Tiere sei, riefen sie sofort den Entenvater an. «Nun bin ich des Öfteren im Klostergarten, weil ich den Schwestern Entenfutter vorbeibringe. Als Dank für meine Hilfe schenken sie mir ihre leckeren 'Kathi Guetzli'», erzählt der 64-Jährige mit einem Lächeln im Gesicht.

Fütterer und weitere Gefahren

Typische Entenfütterer seien vor allem Familien mit Kleinkindern und ältere Personen. Nebenbei gäbe es auch Leute, die ihren sonstigen Abfall beispielsweise Zigarettenstummel nicht richtig entsorgen. Wieder eine Tafel irgendwo am Stadtweier hinzustellen, mit der Aufschrift «Füttern verboten», würde laut Weibel aber nichts nützen. «Generell ist es ja nicht verboten und wer altes Brot los werden will, wirft es trotzdem ins Wasser», meint der Entenvater. Erwachsene mit vollen Brotsäcken müssten deshalb auf das Problem aufmerksam gemacht werden. Weitere Gefahren für die Enten seien Katzen. Ab und zu würden auch Füchse oder Marder vorbeischauen. Greifvögel würden sich im Winter einige Jungtiere schnappen. Jedoch könne laut Weibel nichts dagegen unternommen werden. «Das ist nun mal die Natur.»

Wiler Nachrichten vom Donnerstag, 9. Juni 2016, Seite 13 (48 Views)

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