E-Paper - 11. Oktober 2018
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Ein Wandgemälde in Oberuzwil mit viel Fernweh nach der Toscana

Von Francesca Stemer

Als Künstler wird man nicht pensioniert: Walter Järmann ist vor kurzem 70 geworden und erzählt von seinem neusten Projekt: Ein Wandgemälde in einer Pizzeria.

Oberuzwil Walter Järmann zeigt stolz auf die Wand in der Pizzeria Pinocchio in Oberuzwil. Dieser hat er neues Leben eingehaucht. Es stellt eine Szene der Toscana dar. Auf die Idee, die Wand zu bemalen, kam Järmann, als seine Frau und er auf der Veranda des Restaurants Pizza assen und er die damals noch graue Betonwand betrachtete. «Wir kommen öfter in der Pizzeria vorbei, um einen gemütlichen Abend, zu verbringen.» Das merkt man, denn überall im Restaurant hängen Bilder an der Wand, die Järmann gemalt hat. Diese reichen von einem Gemälde einer verträumten Lagune Venedigs bis hin zu Järmanns Lieblingsbild, einem dreiD Charlie Chaplin Bild. An besagtem Abend wieder zuhause angekommen, fertigte er sogleich eine Skizze an und zeigte seine Idee darauf dem Restaurantbesitzer. Dieser war begeistert. Und so stand der Umsetzung nichts mehr im Wege.

Arbeitsprozess

Järmann gestaltete die ganze Wand innerhalb von drei Tagen komplett um. «Es ist eine Fantasiewand», erklärt er. Denn vieles sei für ihn auch nicht planbar gewesen, sondern hätte sich mit der Zeit entwickelt. «Beispielsweise die Blumen oder auch die Weintrauben an den Fenstern. Auch die Frau auf der Vespa sich aus dem Prozess ergeben.» Bei der Umsetzung hat Järmann wenig Probleme gehabt. «Es hat alles gut funktioniert.» Jedoch gibt Järmann lachend zu: «Manchmal bin ich schon ein Perfektionist und wenn mir etwas an einem Bild nicht gefällt, übermale ich wieder alles. Komplett.» Er ergänzt aber auch, dass es manchmal gut ist, wenn nicht alles an dem Bild perfekt ist. «Gelegentlich machen kleine Fehler das Ganze interessant.» Järmann betrachtet sein Bild und schwärmt: «Wenn man die Wand ansieht, die italienische Musik des Lokals hört und einem der Pizzaduft in die Nase steigt, hat man dann nicht das Gefühl, sich tatsächlich in Italien zu befinden?» Dann lacht er und meint: «Meine Frau würde jetzt sagen, ich hätte zu viel Fantasie.» Der Maler hat bis anhin schon viele, positive Rückmeldungen für sein Wandgemälde erhalten. «Natürlich haben vor allem die Stammgäste meine ganze Prozessarbeit miterlebt. Und ich freue mich immer, wenn ich den Leuten erklären kann, wie ich bei meinen Arbeiten vorgehe. Seine Technik sei kein Geheimnis (siehe Kasten).

Traumberuf

Dass Järmann Maler werden würde, war für ihn schon relativ früh klar. Während seine Kollegen Fussball spielten, war er am Zeichnen. «Ich bin schon mit einem Pinsel in der Hand geboren», erklärt er lachend. Der Künstler ist das älteste von sechs Kindern. Für seine Familie war es damals nicht möglich, ihm eine Kunstschule zu finanzieren. Aber er hatte zu Hause immer einen Atelierraum zur Verfügung. Er hat Maler gelernt und konnte auch viele künstlerische Aufträge nebenbei erledigen. «Alles was ich kann, habe ich mir grundsätzlich selbst beigebracht». Das Wichtigste für ihn sei, dass er selbst Spass an dem habe, was er mache. Aber auch, wenn er den Leuten eine Freude mit seinen Bildern machen könne. «Ich denke, wenn man jemanden glücklich machen kann, kommt das auch irgendwann wieder zu einem zurück.»

Kein Ende in Sicht

Bei Järmann vergeht keine Woche, in der er nicht in irgendeiner Form am Malen ist. «Die Rädchen in meinem Kopf drehen sich unablässig», erklärt er. Seine Frau verstehe in jeweils schon und frage amüsiert, in welcher Welt er denn jetzt schon wieder sei. Vor zwei Wochen gestaltete er einen Liftschacht in seinem Wohngebäude im HundertwasserStil neu. «Oft vergesse ich, dass ich schon 70 bin.» Aber auch wenn Järmann mal gerade an keinem Malprojekt arbeitet oder keine Lust hat irgendwelche Farben zu mischen, schnappt er sich einfach einen Block und Bleistift und skizziert. Auch in den Ferien. «Wenn andere Postkarten schreiben oder jassen, dann bin ich meistens am Zeichnen.» Denn die Kunst ist für Järmann nicht nur seine Leidenschaft: «Die Kunst ist für mich mein Leben.»

Wiler Nachrichten vom Donnerstag, 11. Oktober 2018, Seite 47 (13 Views)

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