E-Paper - 10. Januar 2019
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Zu direkt fürs Parlament?

Von Kim Berenice Geser

Marc Flückiger wird heute voraussichtlich zum neuen Parlamentspräsidenten gewählt. Die WN trafen sich vor der Wahl mit dem 37-jährigen FDP-Fraktionsmitglied und sprachen über Lampenfieber, Optimierungsabsichten und die Krux der Ehrlichkeit.

Wil Marc Flückiger, das Amt des Parlamentspräsidenten ist mit vielen repräsentativen Aufgaben verbunden. Finden Sie neben Ihrem 100-Prozent-Job überhaupt Zeit dafür?

Als Unternehmer lässt sich das für mich vermutlich sogar besser vereinbaren wie als Angestellter. Ich muss niemandem Rechenschaft über meine Arbeitszeit ablegen und kann die durch politische Anlässe oder Termine verpassten Stunden abends nachholen.

Das wird einige lange Tage geben.

Ach, man sagte mir schon vor zwanzig Jahren, dass ich Burn-out gefährdet bin (lacht). Tatsächlich zwinge ich mich unter anderem mit meinem politischen Engagement dazu, Verantwortung in der Firma abzugeben. Denn nur so gibt man den Mitarbeitern Freiräume, um sich zu entfalten.

Das klingt fast als ob Sie den Austritt aus Ihrer Firma anstreben.

Man muss wissen, wann der richtige Zeitpunkt für den Absprung ist. Ein Bekannter von mir hat kürzlich festgestellt, dass ich beruflich einen Zehn-Jahres-Rhythmus habe. Bei der Sygma AG arbeite ich erst seit viereinhalb Jahren. Es bleibt mir also noch etwas Zeit (schmunzelt).

Wie sieht es politisch nach sechs Jahren im Stadtparlament aus?

Politik ist für mich immer noch ein Hobby. Ich mache das, so lange es mir Spass macht.

Also keine Bundesratsbestrebungen?

Wenn ich die Chance hätte, Bundesrat zu werden, würde ich vermutlich ja sagen. Aber um dorthin zu kommen, ist es ein langer Weg und es gehört viel dazu. Politik kann in diesem Zusammenhang auch sehr enttäuschend sein.

Enttäuschend?

Gerade, wenn man ein höheres Amt anstrebt, ist vieles fremdbestimmt. Da kann man der beste Mann oder die beste Frau für den Job sein und ihn aufgrund äusserer Einflüsse trotzdem nicht bekommen.

Dennoch kein Grund für Sie, nicht für den Kantonsrat zu kandidieren?

Richtig, wenn ich im Herbst nominiert werde, kandidiere ich ein drittes Mal.

Und längerfristig? Nationalrat?

Nationalrat zu werden, ist ein 12-Jahres-Prozess. Wenn man nicht gerade Marcel Dobler heisst (lacht). Derzeit stehe ich für den Nationalrat auf der Liste der Umweltfreisinnigen. Für die Hauptliste der FDP wäre es hier noch zu früh. Ich will mir meine Sporen abverdienen.

Und Ihr Prozess beginnt als Parlamentspräsident?

Ich glaube, dass ich aus diesem Jahr viel mitnehmen kann. Ich sehe das Amt als politische Weiterbildung.

Haben Sie schon Pläne, wie Sie Ihre Amtszeit gestalten möchten?

Ja, ich möchte die organisatorischen Abläufe optimieren.

Das heisst?

Ich kann dazu noch nicht im Detail Auskunft geben. Derzeit ist Luc Kauf noch Parlamentspräsident, nicht ich. Aber wir haben im Präsidium 2018 bereits Ideen angestossen, die ich dieses Jahr umsetzten möchte.

Können Sie wenigstens einen Anhaltspunkt geben, in welche Richtung es gehen soll?

Zum Beispiel das Amt der Stimmzähler. Dieses ist mit der digitalen Abstimmung überflüssig geworden. Hier will ich die Aufgabenbereiche neu definieren.

Dürfen Sie das denn?

Natürlich, als Parlamentspräsident ist es meine Aufgabe, das Präsidium zu führen.

Haben Sie kein Lampenfieber vor Ihrer ersten Sitzung als Präsident?

Doch. Ich schlafe seit einer Woche nicht mehr richtig.

Wirklich?

Ja. Als Präsident muss man oft ad hoc Entscheidungen fällen. Das ist eine Herausforderung. Ausserdem bin ich ein sehr direkter Mensch. Ich habe Respekt davor, ob dies in meiner neuen politischen Funktion denn auch immer richtig aufgefasst wird.

Welche Themen werden denn 2019 zu Diskussionen im Parlament führen?

Natürlich das Thema Schule 2020 und die damit verbundene Kathi-Frage.

Wie stehen Sie denn dazu?

Als Nicht-Wiler und mit einer gewissen Aussenansicht bin ich kein Kathi-Befürworter. Ich sehe nicht ein, warum eine Privatschule mit öffentlichen Geldern finanziert werden sollte. Aber das ist meine persönliche Meinung. Die FDP hat noch keine Stellung bezogen.

Wiler Nachrichten vom Donnerstag, 10. Januar 2019, Seite 9 (10 Views)

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