E-Paper - 11. Juli 2019
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Vom Krieg zum Frieden finden

Im bis auf den letzten Platz belegten Cinéwil-Saal sprach Dr. Eugen Drewermann, Theologe, Philosoph, Psychoanalytiker und viel gelesener Buchautor engagiert zum Thema, wie die Menschheit vom Krieg zum Frieden finden kann. Auch muss, wenn sie überleben will.

Wil Seit Menschengedenken gibt es Krieg. Warum? Muss das so sein? Diese und ähnliche Fragen verfolgte der fesselnd sprechende Referent am Schlussvortrag des Frühlingsprogramms vom Impulsforum Wil. Er wurde vom Publikum in höchster Konzentration verfolgt und mit einem stehenden Applaus am Schluss quittiert. Daran schloss sich eine lebhafte Diskussion.

Anfällig zum Brudermord

Der aufgezeigte Weg führt nach Innen. Er verlangt eine grundlegende Änderung der gewohnten Perspektive: Wir müssen aufhören, unsere Sicherheit in Machtentfaltung zu suchen, privat, im persönlichen Umfeld und als Staaten. Macht kann gerade das nicht, so Drewermann, was sich jeder Mensch seit dem ersten Atemzug erhofft: Anerkennung und Bejahung zu finden. So, wie er ist, mit seinen Stärken und Schwächen, unverwechselbar und einmalig. Alles andere begünstigt das, was schon Kain in sich nicht mehr kontrollieren konnte: Es war sein auflodernder Hass auf seinen Bruder Abel, den offenbar von Gott mehr Begünstigten. Der Brudermord von Kain an Abel, erklärbar aus Eifersucht gegenüber dem Konkurrenten, ist für Drewermann höchst aussagekräftig. Er veranschaulicht den Kurzschluss, dem kriegstreibende Gesellschaften seit Anbeginn der Menschheit zum Opfer fallen. Wir haben Angst, allein und ausgeschlossen zu sein, nicht so anzukommen wie der andere, benachteiligt zu sein. Dafür suchen wir Sündenböcke und finden sie so gut in unserem Privatleben wie in der grossen Politik. Wir müssen aufhören mit dem jahrtausendealten Rezept, aus Angstvermeidung Angstverbreitung zu praktizieren. Durch Einschüchterung, Imponiergehabe, Konkurrenz, Verächtlichmachung des vermeintlichen Feindes und schliesslich durch Krieg. Die heute weltweit von allen grossen Mächten praktizierte Angstverbreitung durch Aufrüstung führt in letzter Konsequenz, so Drewermann, nicht zu mehr Sicherheit, sondern zur Vernichtung der Menschheit.

Den andern offen begegnen

Wie kann diese weltbedrohende Denkweise überwunden werden? Eines machte Drewermann deutlich. Der Krieg ist der falsche Weg. Jesus Christus zeigte den anderen und ging ihn. Er brauchte dazu keine Partei, keinen Staat, keine Armee, keinen Besitz und schon gar nicht Macht. In allem was er tat und sagte, war sein Bestreben das Heilen, das Entgegennehmen, nicht das Zerstören. Auch der Philosoph Sokrates sagte schon vierhundert Jahre vorher, wie Drewermann in der Diskussion betonte: «Es ist besser, Unrecht zu erleiden, als Unrecht zu tun.» Für diese Denkweise musste er auf Geheiss des athenischen Senats den Giftbecher trinken.

Eröffnung mit Erich von Däniken

Schon jetzt lud Willy Hollenstein zur Eröffnung des Herbstprogramms des Impulsforums ein. Es wird auch wieder mit einem Abendvortrag im Cinéwil eröffnet, und zwar am Montag, 21. Oktober 2019, um19.30 mit dem Referat des bekannten Bestsellerautors Erich von Däniken, diesmal mit dem Titel «50 Jahre Erinnerungen an die Zukunft». Dabei geht Däniken mit überraschendem Anschauungsmaterial von der These aus, Besuche aus dem All seien nicht nur möglich, sondern hätten bereits stattgefunden. pd

Wiler Nachrichten vom Donnerstag, 11. Juli 2019, Seite 13 (2 Views)

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