E-Paper - 11. Juli 2019
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Gemeinde und Anwohner wehren sich gegen geplante Mobilfunkanlage

Von Lui Eigenmann

Der Mobilfunknetzbetreiber Salt hat in der Gemeinde Zuckenriet ein Baugesuch für eine neue Mobilfunkanlage eingereicht. Gegen dieses wehrt sich nun nicht nur die Gemeinde, sondern auch die Anwohner des angrenzenden Quartiers.

Zuckenriet Mitten im Dorf an der Hauptstrasse 24 auf dem Dach einer Schreinerei steht bereits das Visier für die geplante neue Mobilfunkanlage von Salt. Guckt man aus den Schlafzimmerfenstern des angrenzenden Wohnquartiers, schaut man direkt an die geplante Antenne. Für die Anwohner dieses Quartiers sowie die Dorfbevölkerung von Zuckenriet ein Unding. «Wir haben in unserem Dorf bereits Antennen von zwei Mobilfunkanbietern auf einem Silo mitten im Ort. Auch Salt nutzt diesen Standort bereits, warum es jetzt in unmittelbarer Nähe noch eine Antenne braucht, ist total unverständlich», heisst es von Seiten der Koordinationsgruppe Einsprechergemeinschaft. Dieser haben sich sechs Hauseigentürmer angeschlossen, die im angrenzenden Quartier wohnen.

422 Einsprachen

Um gegen den geplanten Neubau vorzugehen, hat die Koordinationsgruppe in drei Tagen 422 Unterschriften gesammelt. Es sei vor allem das grosse Unverständnis, warum eine weitere Antenne gebaut werden soll und die grosse Unsicherheit, wie gefährlich die Strahlen seien, welche die Leute antreibt, dagegen vorzugehen. Die Anwohner haben Bedenken: «Die Strahlen treffen genau unsere Schlafzimmer. Wir machen uns wirklich Sorgen um die Gesundheit. Nicht nur die von uns selbst, sondern vor allem auch um die der 20 schulpflichtigen Kinder, die hier im Quartier wohnen.»

«Warum eine dritte Antenne?»

Salt habe in Zuckenriet eine hervorragende Netzabdeckung, es könne doch einfach nicht angehen, dass man in Zuckenriet Hauptantennenstandort für die ganze Gemeinde sein soll, so die vorherrschende Meinung im kleinen Dorf. Salt schreibt dazu in einer Stellungnahme: Während für Anrufe eine etwas weiter entfernte Antenne auch heute oft noch ausreichend sei, verlange der aktuell exponentiell wachsende Datenkonsum via Mobilfunk und die Anforderungen an die Geschwindigkeit nach ortsnahen Sendeanlagen. Grundsätzlich sei das Verständnis für die Zusammenhänge in den letzten Jahren eher gestiegen. Die Akzeptanz für Mobilfunkantennen sei nach wie vor nicht gegeben, jene für den Gebrauch von Smartphones absurderweise schon, so Salt weiter. Für die Betroffenen im angrenzenden Quartier sind diese Aussagen ein Affront: «Unsere Handys können wir ausschalten und beiseite legen, die Antenne dagegen strahlt immer, Tag und Nacht.»

Gemeinde lehnt Baugesuch ab

Der Gemeinderat von Niederhelfenschwil hat nach dem Eingang der 422 gesammelten Unterschriften reagiert und das Baugesuch für die Mobilfunkanlage abgelehnt. Dies mit der Begründung, dass er die Schutzinteressen der Bevölkerung höher als die Nutzinteressen von Salt gewichtet. Das Bauprojekt verstösst nach Auffassung des Gemeinderats gegen das gesetzlich vorgeschriebene Vorsorgeprinzip und er sah es, hinsichtlich dem Bundesgesetz über den Umweltschutz, als nicht bewilligungsfähig an. Salt hat auf die Ablehnung bereits reagiert und mitgeteilt, dass der Entscheid angefochten wurde. Wie auch von den Bundesbehörden öffentlich kommuniziert, überschreiten Gemeinden und Kantone ihre Kompetenzen mit der eigenen Anwendung des Vorsorgeprinzips gemäss Umweltschutzgesetz, schreibt das Mobilfunkunternehmen in einer Stellungnahme.

Nun beginnen die Planspiele

Nun liegt das Anliegen von Salt beim Baudepartement des Kantons St. Gallen. Damit beginnen die Planspiele und die Entscheidung, ob und wann eine Antenne montiert wird, könnte sich in die Länge ziehen. Für die Einsprechergemeinschaft von Zuckenriet ist aber jetzt schon klar, die Antenne darf auf keinen Fall montiert werden: «Wir schätzen es, dass die Gemeinde so entschieden und unserem Anliegen Gewicht gegeben hat. Bei so vielen Unterschriften kann man gar von einem öffentlichen Interesse sprechen.» Im angrenzenden Quartier ist man sich einig, dass eine neue Antenne keinen Nutzen bringt : «Wir leben gerne in dieser Idylle auf dem Land, wo man die Kinder spielen lassen kann und die Kuhglocken hört.»

Wiler Nachrichten vom Donnerstag, 11. Juli 2019, Seite 5 (2 Views)

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