E-Paper - 11. Juli 2019
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Alternde Gesellschaft: Chancen und Herausforderungen

Von Franz Welte

Die Schweiz wird durch die Alterung der Gesellschaft in vielen Bereichen transformiert. Eine neue Studie der Universität St.Gallen soll einen Beitrag leisten, um die Schweiz besser auf die immer älter werdende Gesellschaft vorzubereiten.

St.Gallen Zur Ausgangslage erklärt Professor Martin Eiling in seiner Studie «Ageing Society. Aktuelle Herausforderungen und Handlungsfelder aus Perspektive der Versicherungswirtschaft», dass die Ageing Society der Schweiz grosse Herausforderungen biete, aber auch enorme Chancen. Er nennt die Integration älterer Menschen ins Arbeitsleben, bei der die Schweiz als fortschrittlich bezeichnet werden kann, und in die Freiwilligenarbeit (zum Beispiel «Zeitbörse» in St.Gallen) sowie die Rolle als Wirtschaftsfaktor (Stichwort Seniorenmarkt). Grössere Fragezeichen ergeben sich dagegen bei den Vorsorgethemen (Altersvorsorge, Pflege, Gesundheitskosten).

Ein Meinungsbildungsprozess

Aus der Sicht des Autors ist auf politischer Ebene die Aufmerksamkeit bezüglich dem Langzeitpflegerisiko und den entsprechenden finanziellen und organisatorischen Konsequenzen zu schärfen. Es ist ein Meinungsbildungsprozess anzustossen bezüglich der Frage, wie das Thema Pflege nachhaltig ausgestaltet werden kann. Dies erscheint wichtig, damit frühzeitig gute Lösungsvorschläge für politische Debatten zur Verfügung stehen. Im Bereich der Altersvorsorge stellt sich insbesondere die Frage, welche Schritte für eine wirtschaftlich tragfähige, nachhaltige und sozial gerechte Ausgestaltung notwendig sind. Die Versicherungswirtschaft sollte nach Eiling die sich abzeichnenden Veränderungen der Solidarität in der Gesellschaft kritisch begleiten. Es ist die Frage zu stellen, was der Staat in einer Ageing Society noch in Form sozialer Sicherungssysteme leisten und die private Versicherungswirtschaft beitragen kann. Ein breiter gesellschaftlicher Dialog und die Entwicklung einer zukunftsfähigen Sozialagenda sind dringend geboten. Eine Aufgabe der Versicherungswirtschaft solle darin bestehen, diesen Dialog mit zu initiieren und mit guten Argumenten zu begleiten.

Thema Pflege besonders aktuell

Besonders aktuell bezeichnet der Autor den Handlungsbedarf im Bereich Pflege. Während im Bereich der Altersvorsorge die wichtigsten Parameter und Stellschrauben gut bekannt und dokumentiert sind, fehlen im Bereich der Pflege wichtige Eckdaten. Falls es beim momentanen Finanzierungssystem bleibt, werden die Kantone 2030 rund 8,3 Prozent ihrer Steuereinnahmen allein für die Finanzierung der Pflegekosten aufwenden. Wichtig sind auch Massnahmen zur organisatorischen Bewältigung wie die Personalrekrutierung. Eine mögliche Reaktion der Versicherungswirtschaft könnte darin bestehen, sich auf die Rolle als Zusatzversicherer zu beschränken. Die Studie ist vom Institut für Versicherungswirtschaft der Universität St.Gallen herausgegeben worden.

Wiler Nachrichten vom Donnerstag, 11. Juli 2019, Seite 32 (5 Views)

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