E-Paper - 11. Juli 2019
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Keine Luft nach oben mehr: Kanton setzt Elternbeitrag für Ausflüge fest

Von Jana Cucchia

Wenn Schüler auf Exkursion gehen, werden Eltern zur Kasse gebeten. Für ärmere Familien oft ein Problem. Jetzt hat der Regierungsrat einen Maximalbetrag für Elternbeiträge festgelegt. Ein Kantonsrat erklärt den WN den Entscheid und ein Schulleiter erzählt, was die Schulen nun ändern müssen.

Kanton Für Schüler sind Reisen oder Klassenlager oft das Highlight des Schuljahres. Was manchmal vergessen geht: Die Eltern müssen sich an den anfallenden Kosten beteiligen. Familien, die in ärmeren Verhältnissen leben, kommen dabei oftmals ins Schwitzen. Mit einem Urteil im Jahr 2017 hat das Bundesgericht die Bestimmungen zu den finanziellen Beiträgen der Eltern im Volksschulgesetz des Kantons aufgehoben. Nun hat der Regierungsrat die Elternbeiträge in seiner Volksschulverordnung neu geregelt. Diese legt fest, dass Schulgemeinden für obligatorische Pflichtveranstaltungen Beiträge von maximal 22 Franken pro Tag erheben dürfen.

Mehrere Kreditgeber

«Vor dem Bundesgerichtsentscheid über die Beteiligung der Eltern an Verpflegung ihrer Kinder während Schulveranstaltungen existierte in Eschlikon ein Drittel-Konzept. Je einen Drittel finanzierten die Eltern, einen Drittel finanzierten die Schüler selbst durch Arbeiten wie Papiersammeln und einen Drittel bezahlte die Schule», erklärt Linus Köppel, Schulpräsident der Volksschulgemeinde Eschlikon. Die Schule sei dabei proaktiv auf Familien zugegangen, denen es nicht möglich war, die Beiträge zu bezahlen. Der Beschluss der Regierung sei für die Schulen positiv. «Es ist zu begrüssen, dass der Kanton in dieser Angelegenheit Klarheit schafft», so Köppel. Dieser Meinung ist auch Kantonsrat Kurt Egger, der Mitglied der Spezialkommission war, die die Änderung des Gesetzes über die Beitragsleistungen vorberaten hat.

Ungleichheit justiert

«Das Beitragsgesetz regelt den Finanzausgleich, also die Frage, wie viel Geld die reichen Schulgemeinden und der Kanton den ärmeren Schulgemeinden bezahlen», erklärt Egger. Infolge der sinkenden Schülerzahlen und der steigenden Steuereinnahmen in den letzten Jahren sei das System aus dem Ruder gelaufen. «Die reichen Schulgemeinden mussten immer mehr bezahlen und der Kanton immer weniger.» Nun habe man dies ausgeglichen. «Die reichen Gemeinden und der Kanton bezahlen je die Hälfte der Summe, welche die ärmeren Schulgemeinden erhalten. Nun ist es wieder einigermassen gerecht», so der Kantonsrat. Die Verordnung spiele den Eltern in die Karten. «Für sie wird es günstiger, weil früher deutlich höhere Beiträge eingezogen wurden. Für die Volksschulen entstehen jedoch Mehrkosten, weil sie den Rest bezahlen müssen.» Und dies sei nicht wenig. Die Miete des Hauses, Exkursionen, das Essen und die An- und Abreise würden viel Geld kosten. Trotzdem hat der Regierungsrat entschieden: Die Eltern müssen an obligatorischen Reisen nur so viel bezahlen, wie sie zu Hause einsparen. «Der Schulunterricht ist in der Volksschule kostenlos. Es kann also nicht sein, dass die Eltern so viel Geld an die Schule bezahlen müssen», so Egger. Doch sollen nicht nur die Eltern betreffend schulischen Aktivitäten unterstützt werden. Denn laut einem Bericht vom Juni sprach sich der Bundesrat für höhere Beiträge für Lager im Rahmen des Programms Jugend+Sport aus. Somit werden auch Vereine betreffend ihrer Lagerkosten unterstützt.

Freizeitlager stärken

Die Beiträge sollen einem möglichen Rückgang von Schulsportlagern entgegenwirken. Dies ist auch im Sinne der Pfadi. «Einer der Grundgedanken der Pfadi ist, offen für alle zu sein. Dies ist nur möglich, wenn der Zugang niederschwellig ist. Je höher die finanzielle Unterstützung des Bundes, desto besser ist der Zugang zu Lagern», erklärt Martina Schmid der Pfadibewegung Schweiz. Auch der Cevi ist dieser Meinung. «Durch die Unterstützung des Bundes können die Cevi-Jungscharen den teilnehmenden Kindern und Jugendlichen für einen fairen und bezahlbaren Preis eine tolle Lagerzeit mit vielen Erlebnissen und Abenteuern bieten», sagt Felix Furrer, Verantwortlicher für Marketing und Kommunikation des Cevi. Denn die Lager seien letztlich ein Dienst an der Gesellschaft. «Sie lernen einen nachhaltigen Umgang mit der Natur», sagt etwa die Pfadi. Dies sieht auch die Jungwacht Blauring so. Sie können Projekte umsetzen und eignen sich dabei Sozial-, Selbst und Fachkompetenzen an», erklärt die Jungwacht. Auch Emotionen würden mitspielen. «Das Lager ist für ein Jubla-Mitglied der Höhepunkt und die schönste Zeit im Jahr. Fernab des Alltags machen Kinder und Jugendliche unvergessliche Erlebnisse », so Lea Brändle von der Jungwacht Blauring. Für ein paar Tage würden Handy und Playstation vergessen werden, so die Pfadi. Alle drei Jugendverbände sind sich zudem einig: Die höheren Beiträge würden zeigen, dass die Freiwilligenarbeit der Lagerleiter geschätzt wird.

Wiler Nachrichten vom Donnerstag, 11. Juli 2019, Seite 5 (5 Views)

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