E-Paper - 16. April 2020
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Das Kunstradtraining mit den Vorbildern

Sumaya Lenherr fährt Kunstrad. Die Neunjährige qualifizierte sich zum ersten Mal für den SwissCup. Wann sie ihr Können wieder unter Beweis stellen kann ist ungewiss. Doch für sie ein Grund, noch härter zu trainieren.

Kunstrad Sumaya Lenherr sitzt am Küchentisch bei ihrer Tagesmutter Claudia Hammerschmidt. Das Licht bricht sich auf Sumayas holografischem Etui. Es stapelt sich mit verschiedenfarbigen Mäppchen, die gefüllt sind mit Schul- und Trainingsaufgaben, vor der jungen Sportlerin. Sie zieht ein sechsfach gefaltetes Blatt hervor. Ihre täglichen Trainingseinheiten während der Coronakrise. Drei verschiedene Einheiten. Jeden Tag absolviert sie eine davon, zweimal. Dafür braucht sie zirka 15 Minuten. Die Aufgaben reichen von Stretching zu «toter Fisch» und Handstand. Letzteres ist das Wichtigste. Nebenbei gibt es einige wöchentliche Challenges wie Kunststücke durchzuführen, während ein Turnschuh auf dem Fuss balanciert wird und dabei liegend eine Ganzkörperdrehung gemacht wird. Oder sich um den Tisch hangeln, ohne dass die Füsse den Boden berührt. Die Challenges können im geschlossenen Chatraum der Kunstradfahrerinnen angeschaut werden. Sumaya macht es Spass. Auch wenn sie ihre drei Teamkolleginnen vermisst und das Training somit nicht das Gleiche ist.

Wenn sich das Training lohnt

Denn normalerweise trainiert Sumaya am Dienstag und Samstag für ihre Einzelwettkämpfe. Dabei sind sie und ihre Teamkolleginnen in der Sporthalle. Zwei der Kunstradfahrerinnen üben ihre Bilder ein, die Trainerin coacht und dann wird gewechselt. Am Mittwoch werden die Bilder für die Mannschaftswettkämpfe eingeübt. Sumaya ist die jüngste Fahrerin in ihrem Team mit einem Altersunterschied von drei Jahren. Doch gerade das sei fördernd erklärt Hammerschmidt und Sumaya ergänzt, dass ihre älteren Teamkolleginnen ihre Vorbilder seien. Vor acht Wochen zeigte das Team am Regio Cup eine ihrer Bestleistungen. Obwohl zu Beginn des Wettkampfes niemand damit rechnete. «Am Samstag fuhren wir gar nicht gut», erklärt Sumaya, doch am Sonntag erreichten sie ein super Resultat, welches 20 Punkte über ihren Erwartungen lag. «Wir haben einfach unsere Fehler vom Samstag verbessert und alles richtig gemacht.» Und auch Sumaya konnte sich im Einzel durchsetzen und bewies eine solide Leistung. Sie qualifizierte sich zum ersten Mal für den Swiss Cup und tritt damit in die Fussstapfen ihrer älteren Teamkolleginnen.

Neugier und Stricknadeln

Mit sechs Jahren lernte Sumaya das Einradfahren. Um auf das Kunstradfahren umsteigen zu können fehlt grundsätzlich nicht viel. Doch die Platzverhältnisse sind beschränkt und die Trainier fördern die Schüler individuell. Ein Platz wurde im Kunstradteam frei und die Leiterin Kunstrad auf Sumaya aufmerksam. Hammerschmidt, welche selbst auch Kunstrad fuhr und auch Trainerin ist, erklärt, die Jury achte besonders darauf, ob die Kinder ein gutes Körpergefühl und Ausdauer mitbringen würden. Denn der Trainingsaufwand wird, je älter die Kinder werden, grösser und dann müsse man eben auch einige sonnige Mittwochnachmittage oder Wochenenden in der Trainingshalle verbringen. Kein Problem für Sumaya. Sie übt in ihrer Freizeit ab und zu mit ihrem Kunstrad vor Hammerschmidts Strasse. Hammerschmidt erklärt, Sumaya sei schon immer ein kleiner Wirbelwind gewesen, doch die Sportart passt gut zu ihr. «Sumaya, deine Trainerin erzählte mir, du zeigst keine Angst neue Bilder auszuprobieren und bist dabei sehr kreativ.» Sumayas Tagesmutter blickt sie aufmunternd an und über Sumayas Gesicht zieht sich ein sanftes Lächeln, sie nickt zustimmend. «Ich möchte unbedingt noch den Lenkerstand lernen.» Hammerschmidt nickt und erklärt, blaue Flecken würden zu der Sportart dazugehören. Doch die Sportlerinnen werden bei dem Erlernen von schwierigen Bildern durch Hosengurte und Seile gesichert. Sumaya hat auch weniger gefährliche Hobbys. Hammerschmidt brachte ihr kürzlich das Stricken bei. Sumaya hält ihre pink-violette Strickarbeit stolz in die Höhe. Wenn es fertig ist, wird es ein Täschchen. «Nie hätte ich gedacht, dass ich Sumaya dafür begeistern könnte.» fst

Wiler Nachrichten vom Donnerstag, 16. April 2020, Seite 23 (39 Views)

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