E-Paper - 16. April 2020
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Ein Hobby zwischen Sturm und Recht

Von Francesca Stemer

Lina Laouladi steht am liebsten als Stürmerin auf dem Fussballplatz. Doch sie weiss auch, was es bedeutet, Schiedsrichterin zu sein. Und dafür ist sie bereit, einen Teil ihrer Leidenschaft aufzugeben.

Fussball Ab und zu begleitete Lina Laouladi ihren jüngeren Bruder zu einem Fussballmatch. Als sie ihrem Bruder bei Spielen zusah, dachte sie sich: «Warum probiere ich es eigentlich nicht auch einmal mit Fussball?» Die Sportart zog Lina in ihren Bann. Auch wenn der Anfang schwer war. In einer reinen Jungenmannschaft in Kirchberg Fussball zu spielen war für die damals 8-Jährige nicht einfach. «Du bist halt ein Mädchen», musste sich Lina einige Male anhören. Die Gähwilerin zuckt mit den Schultern. Ihre langen braunen Haare fallen ihr dabei in sanften Wellen über die Schultern. «Zu Beginn musste ich auch noch alles lernen. Ich wusste noch nicht viel über Fussball.» Doch das Spielen machte ihr Spass. Und sie erinnert sich gut an ihren ersten Match: «Das Einlaufen mit meiner Mannschaft erfüllte mich mit Stolz. Ich war so glücklich, dass ich spielen durfte und ein Teil des Teams bin.» Lina steigerte sich stetig und trainiert nebst Tennisunterricht und dem Lösen von Schulaufgaben zwei Mal wöchentlich für Fussball. Aktuell hat sie ihr Training in den Garten verlegt und geht jeden Tag joggen, um die Kondition beibehalten zu können. Heute steht für sie noch immer der Spass am Spielen im Vordergrund. Ebenso, mit der Mannschaft möglichst gute Resultate zu erzielen. Lina Laouladi spielt im rechten Flügel oder im Sturm. «Aber am liebsten spiele ich im Sturm», und ihre Lippen heben sich zu einem Lächeln. Im Sommer wird sie ins Kirchberger Frauenteam aufsteigen. Doch Lina kennt auch die neutrale Seite des Fussballs. Die Seite, welche bei beiden Mannschaften dazwischen steht. Sie ist Schiedsrichterin.

Es ist zeitintensiv

Im vergangenen Jahr absolvierte Lina die Prüfung zur Schiedsrichterin. Diese beinhaltete nebst einem Konditionstraining ein Wochenende im Glarnerland, wobei ihnen die wichtigsten Regeln eines Schiedsrichters beigebracht wurden. Abschliessend erfolgte eine schriftliche Prüfung. Die Kandidaten wurden unter anderem abgefragt, welche Entscheidungen sie bei Fouls und anderen Regelverstössen zu treffen haben. Nach bestandener Prüfung erhielten die Schiedsrichter ein aufzubügelndes Abzeichen und die Schiedsrichterausrüstung sollte bestellt werden. Lina hat bei sich zu Hause verschiedenfarbige T-Shirts, welche sie jeweils zu den Turnieren mitnimmt und an die Mannschaften austeilt. Via Schiedsrich terapp bekommt sie ihre Aufträge. Wichtig ist, dass sie mindestens an 15 Spielen als Schiedsrichterin dabei ist. Es ist zeitintensiv. Im Sommer beginnt Lina ihre Ausbildung. Sie muss sich bald entscheiden, will sie weiter als Spielerin auf dem Platz stehen oder ihre Karten ganz auf Schiedsrichterin setzen.

Ein dickes Fell ist essenziell

Die Zeit als Schiedsrichterin überraschte Lina: «Ich habe das früher unterschätzt. Ich dachte nicht, dass so viel zu der Aufgabe eines Schiedsrichters dazugehört.» Denn als Schiedsrichterin ist sie bereits eine Stunde vor Spielbeginn auf dem Feld. Sie unterhält sich mit den Trainern, verteilt die im Voraus vorbereiteten Spesenzettel, kontrolliert das Spielfeld und führt die Anwesenheitskontrolle bei den Mannschaften durch. Doch sie muss auch mit Ausrufen und Beschwerden der Spieler zurechtkommen. «Ich kann es verstehen», so die 15-Jährige. «Das geht mir bei meinen Spielen ähnlich. Man gibt in diesen 90 Minuten alles.» Vor ihren Einsätzen als Schiedsrichterin ist sie nicht mehr nervös. «Aber ich mache mir auf dem Weg zu den Spielen viele Gedanken.» Lina Laouladi kann aber auf Unterstützung zählen. Ihren Vater. Dieser ist selbst als Schiedsrichter tätig und begleitet seine Tochter wann immer möglich zu den Fussballspielen. Von ihm bekommt sie Feedbacks und er ist ihr Motivator. Denn die Schiedsrichterin müsse sich auf dem Platz mehr beweisen. Für Lina ist ein gesundes Selbstvertrauen und Durchsetzungsvermögen zentral. Doch so sehr ihr Herz auch für das Fussballspielen schlage, Lina möchte ihre Karten auf die Karriere der Schiedsrichterin setzten. «Mein Traum ist es, eines Tages als Schiedsrichterin bei einem Juventus-Turnier auf dem Platz stehen.»

Wiler Nachrichten vom Donnerstag, 16. April 2020, Seite 23 (60 Views)

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